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Konfuzianismus

Konfuzius wurde zwar als Gottheit verehrt, wobei er erst 1906 offiziell durch ein kaiserliches Edikt dem Himmelsgott gleichgestellt wurde. Ob es sich bei Konfuzianismus, der sich selbst nie als Religion begriff, jedoch um eine Religion im strengen Sinne handelt, ist sehr umstritten. Konfuzius oder Khong Tu (551-474 v. Chr.) stammte aus verarmten Adelsgeschlecht und gilt als Gründer des Gelehrtentums in China. Er erhielt eine gute Ausbildung und versuchte Berater an einem Fürstenhof zu werden. Als dies nicht gelang, zog er mit seinen Schülern umher und lehrte sie seine Ideen. Seine Lehren wurden erst nach seinem Tod von seinen Schülern schriftlich niedergelegt und systematisiert. In China wurden sie zur Staatsdoktrin erhoben und gelangten durch die Chinesen in das heutige Vietnam.
Bei seinen Ideen handelte es sich eher um eine Philosophie, aus der dann eine Art Religion gemacht wurde. Konfuzius predigte ein streng hierarchisches Gesellschaftssystem mit streng patriarchalischen Strukturen, in dem jeder zu jedem in einem klar vorgeschriebenen Verhältnis steht. Frauen wurden in diesem System benachteiligt, die Frau sah er als passives "leidendes" Objekt. Seine Lehre fußte auf der Überzeugung, dass das Individuum soziale Veränderungen bewirken könne - als Appell an den einzelnen durch Bildung und Moral sein Schicksal zu meistern. Entscheidend für seine Lehre jedoch war, dass er den Begriff des Edelmannes (junzi) uminterpretierte zu der Vorstellung eines "edlen Mannes", der moralischen Lebensgrundsätzen folgt und nur dadurch zur Herrschaft legitimiert wird.
Grundsätzlich galt, nur Männer können die Riten gegenüber den Ahnen vollziehen. Ein Sohn gilt mehr als 10 Töchter. Jeder Mensch ist von Haus aus gut. Man muss ihn nur lehren und ihm den richtigen Weg weisen. Er ist ein soziales Wesen und braucht ein Vorbild. Wer sich falsch verhält, fällt aus dem sozialen System heraus. Nur wenn Herrscher auf dieser Grundlage regieren, haben sie Erfolg, wobei gesellschaftliche Positionen und Hierarchien genau fest gelegt sind. Selbst der Kaiser kann das "Mandat des Himmels", das ihm die Mittlerrolle zwischen Himmel und Erde zuspricht, verlieren, indem er sich nicht richtig verhält.
Fünf Grundbeziehungen bestimmen das menschliche Zusammenleben: die Beziehung zwischen Herrscher und Untergebenen, zwischen Vater und Sohn, zwischen Mann und Frau, zwischen älterem und jüngerem Bruder und zwischen Freunden. Nur die Beziehung zwischen Freunden kann gleich berechtigt sein, ansonsten muss sich immer der tiefer stehende Partner unterordnen. So ist die Frau ihr ganzes Leben lang die Untergeordnete: Als Kind muss sie dem Vater gehorchen, als Gattin dem Ehemann und als Mutter dem Sohn. Alle Menschen sollten fünf Grundtugenden anstreben, nämlich Menschlichkeit, Rechtsachtung, Sittlichkeit, Weisheit und Glaubwürdigkeit.
Auch die Rechtssprechung beruhte im alten China und im chinesisch besetzten Vietnam auf konfuzianischen Grundsätzen. Bildung und Qualifikation, deren Nachweis in den Staatsprüfungen erbracht wurde, sollten über den gesellschaftlichen Rang entscheiden. Die Besten in den Examina wurden Mandarine. Im Jahre 1.070 wurde im heutigen Ha Noi der Literaturtempel (Van Mieu) zur Abhaltung der Staatsprüfungen errichtet. Der Literaturtempel war die erste Bildungsstätte, die von konfuzianischen Gedankengut geprägt war.
Die Zentralisierung der Macht und die streng hierarchische Gesellschaftsstruktur boten China ein perfektes Mittel zur Unterwerfung der Vietnamesen, das selbst die einheimischen Herrscher übernahmen und sich als Instrument der Machtausübung.

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