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Buddhismus

Der Buddhismus passt zu den Lebensformen der Vietnamesen und ist heute wieder die vorherrschende Religion im Lande. Dennoch ist Vietnam nicht so streng buddhistisch wie Thailand, Kambodscha oder Myanmar, sondern lässt vielen anderen Glaubensrichtungen freien Lauf. In der Zeit der Unabhängigkeit zwischen dem 10. und dem Ende des 14. Jahrhunderts erlebte der Buddhismus (im 11. Jahrhundert stieg er zur Staatsreligion auf) in Vietnam seine Blütezeit. Dann musste er aus politischen Gründen wieder dem Konfuzianismus weichen. Als der Gedanke der Freiheit in den 50iger und 60iger Jahren dieses Jahrhunderts wieder durchbrach, stellten sich die buddhistischen Mönche in Opposition zum herrschenden katholischen Regime und machten sogar mit spektakulären Selbstverbrennungen die Weltöffentlichkeit auf die Situation im Lande aufmerksam. Am spektakulärsten war wohl die Selbstverbrennung des Mönches Thich Quang Duc im Sommer 1963, deren Bilder die Weltöffentlichkeit aufschreckten. Seit einigen Jahren blühen die buddhistischen Klöster wieder auf, die alten Pagoden (Chuas) werden restauriert und immer mehr junge und Männer rasieren sich den Kopf und ziehen die safrangelbe Kutte an.

Der Buddhismus greift auf schon vor seiner Zeit bestehende Lehren oder zumindest Elemente in Indien zurück, insbesondere auf Aspekte des hinduistischen Weltbilds. Der historische Buddha wurde 560 v. Christus als Prinz Siddharta Gautama (Sohn des Fürstenhauses Sakya - daher Shakyamuni = Weiser aus dem Hause Sakya in Nord-Indien (heute Nepal) geboren. Er war ein Bodhisattva, ein künftiger Buddha, der für seine letzte Geburt und Erleuchtung auf die Welt gekommen war.
Obwohl er heiratete und einen Sohn zeugte, beschloss er an seinem 29. Geburtstag seinem wahren geistigen Pfad zu folgen. Wohlbehütet und in relativem Wohlstand aufgewachsen, löste die Begegnung mit Alter, Krankheit, Tod und mönchischem Leben in ihm den Wunsch aus, den Weg zur Erlösung vom Leiden zu finden. Der künftige Buddha ließ sich symbolisch den Kopf scheren, womit er das Vorbild für die späteren buddhistischen Mönche schuf. Träume und Erscheinungen der Götter führten ihn zur höchsten Erleuchtung, die er an seinem 35. Geburtstag erlangte, als er bei Vollmond unter einem bodhi-Baum (= Baum der Erleuchtung) saß. Nirwana und Buddhaschaft waren erreicht, und von nun an predigte er bis zu seinem Tod mit 80 Jahren seine Lehre. Buddha, der Erleuchtete, kann aber keinesfalls als Gott oder Erlöser bezeichnet werden, sondern weist nur einen Weg zur Erlösung auf.

Karma: Durch die Lehre vom Karma (das Handeln, wodurch die Form der Wiedergeburt eines Menschen bestimmt wird bzw. das durch ein früheres Handeln bedingte gegenwärtige Schicksal) bot der Buddhismus eine Erklärung für das individuelle Unglück und eine Verheißung für das Leben nach dem Tod. Um dem ewigen Kreislauf der Wiedergeburt zu entkommen und das Nirwana zu erreichen, muss der Buddhist sich der Sünde enthalten, gütig sein, seine Gedanken durch Meditation reinigen und d'harma, das buddhistische Gesetz, verbreiten.
Alles Dasein ist Dukha, Leiden, und begleitet jedes Individuum vom Schmerz der Geburt bis zum Tod. Die Erkenntnis um die Wahrheit vom Leiden, von der Entstehung des Leidens, von der Aufhebung des Leidens und vom Achtteiligen Pfad, der zur Überwindung des Leidens führt, stehen daher als die Vier Edlen Wahrheiten im Zentrum der buddhistischen Lehre. Der edle Achtteilige Pfad bestimmt die Verhaltensweise eines jeden gläubigen Buddhisten und besteht aus: Rechter Erkenntnis, Rechter Gesinnung, Rechter Rede, Rechtem Handeln, Rechtem Lebenserwerb, Rechtem Streben, Rechter Aufmerksamkeit, Rechter Sammlung. Der Buddhist ist bestrebt die vier edlen Bewusstseinszustände zu erreichen: Güte, Mitleid, mitfühlende Freude, Bedachtsamkeit.
Bereits bevor sich der Buddhismus in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten in Vietnam etablierte, hatte er sich in zwei Richtungen gespalten: den Hinayana- und den Mahayana-Buddhismus.

Hinayana-Buddhismus
Diese Form des Buddhismus ist die menschenfremdere, strengere Lehre und hält an den alten Pali-Schriften fest, nach denen jedes Wesen auf sich allein gestellt ist und sein Karma nur durch strikt auf ethische Normen ausgerichtetes Handeln verbessern und nach Erlösung streben kann. Er fordert eine Eigenerlösung ohne Hilfe von außen und wird auch Kleines Fahrzeug oder Theravada-Buddhismus genannt. Das Ideal ist der Arhat (Heiliger, der erleuchtet wurde) und sich ohne fremde Hilfe selbst erlöst hat.

Mahayana-Buddhismus/Bodhisattva
Diese am meisten praktizierte Form des Buddhismus stellt eine erweiterte Erlösungslehre dar und bietet eine Abkürzung zur Erlösung mit Hilfe von Helfern, sogenannten Bodhisattvas, an. Bodhisattvas haben bereits die Erlösung erlangt und verkörpern ein Grundideal des Mahayana-Buddhismus, der auch großes Fahrzeug genannt wird. Sie verzögern ihre Erlösung oder Buddhaschaft, den Eintritt ins Nirwana, um anderen auf den richtigen Pfad zu helfen.
Von den Vietnamesen wird diese tolerantere Variation der Lehre Buddhas bevorzugt.

Dreieinigkeit
Der Mahayana-Buddhismus verschmolz mit Taoismus und Konfuzianismus zum Verein der Drei Lehren" (tam giao). Man verneigt sich vor konfuzianischen Ahnen-, vor taoistischen Meisteraltären und ebenso vor den Bodhisattvas in buddhistischen Pagoden, mögen auch die Khmer-Tempel im Mekong-Delta die puristischere Theravada-Tradition pflegen. Die kommunistische Kuratel trieb die Religion in die innere Emigration, doch seit 1989 sind chua und dinh (Versammlungs- und Kultstätten der Gemeinden) wieder von Leben erfüllt.

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