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Religionen

Nach der Vereinigung des Landes im Jahre 1975 galten religiöse Aktivitäten als suspekt und wurden weitgehend unterdrückt. Die Religion feierte nach Jahren der Verfolgung und Unterdrückung durch das kommunistische Regime ein glorreiches Comeback. Seit dem Ende der 80iger Jahre ist ein Wiederaufleben aller Religionen in großem Umfang zu sehen. Duft von Räucherwerk schwängert die Pagoden, und die Riten der Triade aus Buddhismus, Taoismus und Konfuzianismus, Vietnams spirituell-ethischen Hauptströmungen, sind wieder Teil des sozialen und politischen Alltags. Laut Verfassung wird grundsätzlich Religionsfreiheit gewährleistet. Trotzdem stehen alle religiösen Gruppen immer noch unter staatlicher Beobachtung.
In den großen reiserzeugenden Ländern dieser Welt, wie z.B. Thailand und Vietnam, ist häufig der Buddhismus vorherrschend. Der Reisanbau unterwirft die Bauern einem fest programmierten Lebensablauf und bedingt und erzwingt Gemeinschaftsarbeit. Bei vielen Menschen, die koordiniert zusammenarbeiten und -leben müssen, ist eine Religion nötig, die Aggressionen abbaut und Frieden und Ordnung erhält.
Der Buddhismus passt zu den Lebensformen der Vietnamesen und ist die vorherrschende Religion im Lande. Dennoch ist Vietnam nicht so streng buddhistisch wie Thailand, Kambodscha oder Myanmar, sondern lässt vielen anderen Glaubensrichtungen freien Lauf. Außerdem verwischen sich häufig die Grenzen und der einzelne, praktisch orientierte Vietnamese setzt seinen Glauben oft aus den Elementen verschiedener Heilslehren zusammen. So finden sich in buddhistischen Pagoden genauso taoistische Gottheiten und Altäre zur Ahnenverehrung. Was dem einzelnen Erfolg und Glück verspricht wird angebetet. Und je mehr Götter existieren, desto größer die Chance, dass einer hilft. Buddhismus, Konfuzianismus, Taoismus, Animismus und Ahnenkult formen in ihrer Zusammensetzung oft eine Lebensphilosophie, die das Denken und Tun der Gläubigen bestimmt. Die ostasiatischen Religionen kennen keine Kirchenorganisation, die den Glauben zentral verwaltet und den Bau von Tempelgebäuden kontrolliert und finanziert. Wer es sich leisten kann, baut eine Pagode oder einen Tempel und legt fest, wem dieser gewidmet ist. Die philosophischen Systeme, die in Asien dominieren, entstanden zwischen 300 und 600 v. Christus. Ihnen allen eigen ist, dass sie keinen Alleinvertretungsanspruch aufstellen und nie versucht haben, mit Feuer und Schwert zu missionieren. Sie bieten Lebensphilosophien an, die sich immer gegenseitig tolerieren.
In der Zeit der Unabhängigkeit zwischen dem 10. und dem Ende des 14. Jahrhunderts (im 11. Jahrhundert stieg er zur Staatsreligion auf) erlebte der Buddhismus in Vietnam seine Blütezeit. Dann musste er aus politischen Gründen wieder dem Konfuzianismus weichen (auch heute noch stehen sich Buddhismus und Konfuzianismus kämpferisch gegenüber). Als der Gedanke der Freiheit in den 50iger und 60iger Jahren dieses Jahrhunderts wieder durchbrach, stellten sich die buddhistischen Mönche in Opposition zum herrschenden katholischen Regime und machten sogar mit Aufsehen erregenden Selbstverbrennungen die Weltöffentlichkeit auf die Situation im Lande aufmerksam. Am spektakulärsten war wohl die Selbstverbrennung des Mönches T h i c h Q u a n g D u c im Sommer 1963, deren Bilder die Weltöffentlichkeit aufschreckten.
Seit einigen Jahren blühen die buddhistischen Klöster wieder auf, die alten Pagoden (Chuas) werden restauriert und immer mehr junge Frauen und Männer rasieren sich den Kopf und ziehen die safrangelbe Kutte an.

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