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Vorwort

Die ethnischen Vietnamesen, die Viet oder Kinh, stellen etwa 88 Prozent der 72 Millionen Einwohner des Landes. Sie dominieren Gesellschaft, Politik und Wirtschaft in den Städten, Delten und Küstenebenen. Die 53 ethnischen Minderheiten dagegen leben vorwiegend im Zentralen und Nördlichen Hochland. Sie unterscheiden sich in Sprache, Kultur und Brauchtum, aber auch in ihren Beziehungen zur herrschenden Mehrheit im Land. Viele blieben aufgrund ihrer räumlichen Isolation vor einer Einflussnahme der Viet bewahrt. Die Tage der Halbautonomie sind jedoch gezählt, denn die Regierung zielt auf Integration.
Ungewisse Zukunft: Vietnams ethnische Gruppen waren in unterschiedlichem Maße Fremdeinflüssen ausgesetzt, so jenen der katholischen und protestantischen Missionare, oder durch die Kriege jenen der Franzosen und Amerikaner. Insbesondere die Minderheiten der unteren Regionen Zentralvietnams wurden durch Arbeit auf Plantagen, in Missionarsschulen, durch Rekrutierung für Streitkräfte Frankreichs und der USA sowie staatliche Programme stark in die vietnamesische Gesellschaft integriert. Diese Entwicklung ist ein zweischneidiges Schwert: einerseits, wie die Regierung betont, sozialem Fortschritt und materiellem Wohlstand förderlich, führt es andererseits zu einer schleichenden Zerstörung von Traditionen, Eigeninitiative und Selbstachtung. Ältere, französisch-christlich erzogene Menschen fühlen sich betrogen, und die Jüngeren hält Armut vom Besuch der wenigen Schulen ab. Um den ökologisch verheerenden Brandrodungsbau einzudämmen, den viele Bergstämme seit Jahrhunderten betreiben, versucht die Regierung nomadische Bauern in niederen Regionen anzusiedeln. Dies verheißt zwar verbesserte Bedingungen für Ausbildung (u. a. an der Minderheiten-Universität in Buo Ma Thuot), medizinische Versorgung und Landwirtschaft, untergräbt aber auch kulturelle Traditionen und Identitäten.
Etwas anders ist die Lage in den entlegenen Bergen des Nordens. Einige, von kolonialen Einflüssen weniger geprägte und im Vietnamkrieg prokommunistische Minderheiten erhielten Mitte der 60er Jahre halbautonomen Status. Zäh wehrten sie Fremdeinflüsse ab. Viele halten am Matriarchat fest, bauen illegal den Opiumlieferanten Schlafmohn an und leben zu beiden Seiten der vietnamesisch-chinesischen Grenze.

Die Minderheiten sind heute nach dem Verhältnisprinzip in der Nationalversammlung vertreten. Der 1992 gewählte Staatspräsident Le Duc Anh ist Abkömmling eines Bergstamms.

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